Samstag, 30. September 2017 | 15:20

Softe Faktoren werden wichtiger für Schweizer Arbeitnehmer

Frauen gelten als ausgeprägte Harmonizer und Idealisten. Gemäss Studie mehr als Männer.

Top 10 Attraktivste Arbeitgeber gemäss Wirtschaftswissenschaftlern
Top 10 Attraktivste Arbeitgeber gemäss Wirtschaftswissenschaftlern

Ein Vergleich zu letztjährigen Daten zeigt jedoch, dass sie auch immer mehr die Zügel in die Hand nehmen und zu sogenannten Leadern und Huntern werden. Entrepreneure sind hierzulande auch dieses Jahr nicht häufig anzutreffen bei berufstätigen Akademikern. Warum? Softe Faktoren sind dieses Jahr wichtiger geworden und beeinflussen die Wahl des Arbeitgebers stärker als in vergangenen Jahren - dies insbesondere bei Informatikern und bei Männern (bei Frauen waren diese soften Faktoren bereits stark ausgeprägt). Bei den attraktivsten Arbeitgebern führen gemäss Berufstätigen Schweizer Firmen. Die Spitze bilden (neben Google und Microsoft) Nestlé, Migros, Swiss, UBS, SBB, Siemens, Swisscom, Roche, Novartis, Nestlé. Johnson&Johnson hat bei Naturwissenschaftlern stark aufgeholt und befindet sich in den Top 5. Dies und mehr zeigt eine Umfrage unter 10'000 Schweizer Berufstätigen in der Schweiz.

 

Softe Faktoren werden bei Männern und IT-lern wichtiger

Frauen bleiben zwar harmonisch und idealistisch, zeigen sich jedoch kämpferischer dieses Jahr. Das Leaderprofil und das Hunterprofil tritt häufiger auf dieses Jahr als 2015 und 2016. Bereits im Frühling bei der Auswertung der studentischen Studie wurde festgestellt, dass Studentinnen vermehrt auch harte Faktoren fordern (Lohn und Aufstiegsmöglichkeiten haben zugenommen).

 

Dafür sind die soften Faktoren bei berufstätigen Männern im Zusammenhang mit «MENSCH&KULTUR» dieses Jahr relevanter für Männer und machen 40% der Top 10 Präferenzen aus (nun gleich viel bei Frauen) und sind somit um 10% gestiegen seit letztem Jahr. Neu ist ein «freundliches Arbeitsumfeld» in die Top 10 auf #9 gestiegen. «Führungskräfte, die meine Entwicklung fördern» ist vom letztjährigen #6 auf #2 dieses Jahr gestiegen.

 

Auch IT-ler legen mehr Wert auf softe Faktoren im Vergleich zu letztem Jahr. So dominieren die Bereiche «MENSCH&KULTUR», jedoch auch «JOBEIGENSCHAFTEN» die Top Ränge der kurzfristigen Präferenzen. Diese Präferenzen haben direkten Einfluss auf die Arbeitgeberwahl. Wichtig im Bereich «MENSCH&KULTUR» sind für Informatiker: «Führungskräfte, die meine Entwicklung fördern», «ein freundliches Arbeitsumfeld», «ein kreatives und dynamisches Arbeitsumfeld», sowie «Anerkennung von Leistung». Im Bereich «JOBEIGENSCHAFTEN» sind relevant. «Flexible Arbeitsbedingungen», «eine herausfordernde Tätigkeit», «abwechslungsreiche Aufgaben» und «professionelles Training und Weiterbildung».

 

Kurzfristig gesehen, möchten sich Schweizer Berufstätige nicht selbstständig machen; langfristig aber schon

Zwar hört man oft von neuen, boomenden Startups in der Schweiz. Impact Hub, Digital Switzerland, Swiss Economic Forum, und auch viele Unternehmen investieren in die Start-up Szene. Setzt man diese jedoch in den Gesamtzusammenhang, so stellt man fest, dass Schweizer Berufstätige kurzfristig wenig Interesse am selbstständig sein haben. Nur 12% der Männer und 8% der Frauen sind gemäss Studie «Entrepreneure». Die anderen möchten lieber angestellt sein.

 

Langfristig gesehen sieht dies jedoch anders aus. «Unternehmerisch oder kreativ/innovativ» sein bleibt #2 Karriereziel bei Wirtschaftswissenschaftlern und Ingenieuren, wurde sogar noch wichtiger im Vergleich zum Vorjahr wie der prozentuale Anstieg zeigt. (Wirtschaftswissenschaftler: 2016: 35% und 2017: 44%). Davor ist nur noch die Work-Life-Balance, welche bei den langfristigen Karrierezielen seit Jahren die Spitze bildet.

 

Leo Marty, Managing Director Schweiz und Österreich bei Universum kommentiert: «Wagen wir eine Zukunftsprognose: G.A.F.A. (Google, Apple, Facebook, Amazon) sowie viele andere innovative Firmen zwingen traditionelle Firmen dazu, Entrepreneurship zu fördern. So kreieren diese z.B. In-house Incubators und Start-ups. NGO's sowie einige Firmen (z.B. Ikea) tragen ihren Teil dazu bei, indem sie jungen Frauen fördern und dazu ermutigen, sich bei der Arbeit zu emanzipieren. Ich denke, wir sind nur noch Monate oder wenige Jahre davon entfernt, diese (noch nicht ausgereiften) Trends von Entrepreneurship auch im Arbeitsalltag zu spüren.»

 

Es dürfte zu erwarten sein, dass die Anzahlt Entrepreneure in den nächsten Jahren steigen wird in der Schweiz. Die Start-up Community wird immer grösser und besser organisiert, Unterstützung von Grosskonzernen und Investoren ist vermehrt erhältlich. Somit könnte ein Trend entstehen. In den diesjährigen Zahlen ist jedoch noch (fast) nichts davon festzustellen. 

 

Diskussionen rund im Inländervorrang dürften es Firmen erschweren an geeignete Talente zu kommen. Der hohe Mangel an technischen Fachkräften in der Schweiz führt dazu, dass Firmen sich bemühen ausländische IT Studenten, welche in der Schweiz studiert haben, auch in der Schweiz zu halten. Doch politische Hürden machen es schwierig wie z.B. der Eco-Beitrag vom 6.3.17 zeigt. 

(https://www.srf.ch/news/wirtschaft/start-up-visum-fuer-auslaendische-spezialisten). Jüngste politische Entwicklungen dürften es uns noch schwerer machen, die im Inland ausgebildeten Talente zu halten.

 

Interesse an Führung bildet sich im Laufe der Karriere

Dass Studenten nicht an Leadership interessiert sind, zeigt auch die Generationsstudie «Leadership», in welcher klar zum Vorschein kommt, dass die Gen Z nicht sonderlich führungsinteressiert ist. So ist das Leadership Profil nur schwach vorhanden: Studenten: 9%, Studentinnen: 5%.

 

Leader sind bei Professionals (Berufstätige mit akademischem Hintergrund) viel stärker ausgeprägt als bei Studenten. Wirtschaftswissenschaftler und Ingenieure beispielsweise wollen Führung: Bei diesen ist die «Möglichkeit, Führungsaufgaben zu übernehmen» weit oben. Bei Wirtschaftswissenschaftlern auf #3, bei Ingenieuren auf #1.

 

Bewegung bei den Sozialen Medien: Facebook überholt Linkedin bei Berufstätigen

Das ausgebaute Angebot von Facebook für Firmen (Facebook Workplace) scheint Anklang zu finden.

 

Bei Studenten dominierte Facebook schon länger die Social Media Spitze. 85% von Schweizer Studenten benutzen Facebook, etwas mehr als Whatsapp (83%). Bei den Studenten folgt anschliessend Youtube (71%), Instagram (45%) und erst dann Linkedin (43%).\

 

Bei den Berufstätigen wird Facebook nun auch von 78% benutzt, es folgt Whatsapp (72%) und Linkedin (67%). Letztes Jahr dominierte bei den Professionals noch Linkedin (85%). Facebook folgte mit 82% und Whatsapp mit 80%.

 

Arbeitgeber, welche am meisten aufgefallen sind dieses Jahr auf Social Media sind in erster Linie: UBS und Google. Weiter Swiss, KPMG und Swisscom. Jedoch auch Facebook selber, SBB, Roche und EY wurden häufig in der Studie als «aufgefallen» genannt.

 

Schweizer Firmen holen auf in den Rankings

Bei den Wirtschaftswissenschaften sind einige Schweizer Firmen weit vorne in den Rankings. In die Top 5 der unterschiedlichen Studienfelder geschafft haben es:  Nestlé, Migros, Swiss, UBS, SBB, Siemens, Swisscom, Roche, Novartis, Nestlé.   Ganze 8 Firmen der Top 10 bei den Professionals sind Schweizer Firmen  Uhrenfirmen: Swatch, Richemont und Rolex haben bei den Wirtschaftswissenschaftlern Plätze eingebüsst. Befinden sich aber immer noch in den Top 30.

 

ABB hat bereits bei den Studenten gut aufgeholt, nun ist auch bei Berufstätigen eine Zunahme festzustellen. Sie besetzen Platz 1 bei den begehrten Ingenieuren, Google hat bei berufstätigen Ingenieuren in der Schweiz dafür 2 Plätze verloren.


UNIVERSUM



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