Dienstag, 10. April 2018 | 07:14

Permanente Transfers bestimmen in 2018 die neue Welt der grenzenlosen Arbeit

Hat sich das Modell der Langzeit-Entsendung überholt?

Lisa Johnson, Global Practice Leader der Consulting Services bei Crown World Mobility
Lisa Johnson, Global Practice Leader der Consulting Services bei Crown World Mobility

Der permanente Transfer wird die weltweite Mitarbeitermobilität in 2018 voraussichtlich ändern. Eine aktuelle Studie ergab, dass er zunehmend als Alternative zum traditionellen Long Term International Assignment (LTA), der Langzeit-Entsendung ins Ausland, gilt. Die von Crown World Mobility durchgeführte Umfrage unter mehr als 100 Unternehmen richtete sich an ein grosses Branchenspektrum von Unternehmen der Bereiche Luft- und Raumfahrt, Einzelhandel, Pharma, Öl- und Gas, Fachdienstleistungen, Fertigung, Finanzen, Telekommunikation und Automobile.

 

Ihre Ergebnisse bieten einen spannenden Einblick im Hinblick auf die Veränderungen auf dem Gebiet der internationalen Mitarbeiterentsendung, wobei mehr als die Hälfte aller Unternehmen angeben, mittlerweile häufiger permanente Transfers statt traditionelle LTAs einzusetzen. Ein Drittel der Unternehmen geht zudem davon aus, dass die Anzahl permanenter Transfers in diesem Jahr steigen wird.

 

Lisa Johnson, Global Practice Leader der Consulting Services bei Crown World Mobility, nimmt an, dass diesen Statistiken ein Trend zugrunde liegt, der für Unternehmen und Angestellte in 2018 zunehmend an Bedeutung gewinnen könnte.

 

Lisa: «Der Wandel begann vor ein paar Jahren in kleinen Schritten in bestimmten Regionen wie Asien, der EU und Lateinamerika. Wir beobachteten, dass die Unternehmen das Modell der traditionellen Langzeit-Entsendung (LTA) immer häufiger ablehnten.

 

Verantwortlich dafür waren vor allem erforderliche Kostensenkungen in diesem Bereich. Ein traditionelles LTA kann immerhin das Drei- bis Achtfache des Jahresgehaltes eines Mitarbeiters kosten. Letztlich geht dieser Wandel aber auf eine grundsätzliche Änderung dessen zurück, was es heute bedeutet, als Unternehmen weltweit tätig zu sein, und auf den Wunsch, die Entsendungsmodelle dieser neuen Denkweise anzupassen.

 

Erfolgreiche Nachwuchskräfte suchen zunehmend Arbeitsmöglichkeiten im Ausland. Im Kampf um Talente sind die Unternehmen deshalb gezwungen, kostengünstige Mobilitätsoptionen zu schaffen, um sie zu halten. Permanente Transfers entsprechen diesen Anforderungen.»

 

Fachkräften für globale Mitarbeitermobilität haben durch den Einsatz moderner Technologieplattformen intelligentere Entsendungsstrategien geschaffen und sind bereit, alternative Programme zu berücksichtigen, die einen neuen Standard unterstützen.  Aus diesem Grund tolerieren immer weniger Unternehmen den «Immer Expat»-Ansatz, der hohe Kosten für den Lebensstil des Mitarbeiters im Ausland verursacht, in der Annahme, die betreffende Position könnte nicht anders besetzt werden. Tatsächlich machen die Unternehmen zunehmend strikte Vorgaben, um sicherzustellen, dass die Höchstlänge für LTAs von drei Jahren mit Option auf zwei Jahre Verlängerung Programmnorm ist.

 

Lisa Johnson beantwortet im Folgenden einige wesentliche Fragen zu permanenten Transfers und warum sie in diesem Jahr häufiger als je zuvor eingesetzt werden.

 

Was genau sind permanente Transfers?

Permanente Transfers sind dauerhafte Umzüge ins Ausland, bei denen der Entsendete und seine Familie als Einheimische am neuen Wohnort leben.

 

Warum sind sie kostengünstiger als traditionelle LTAs?

Es sind weniger Kosten und Leistungen damit verbunden. Man geht beispielsweise davon aus, dass der Mitarbeiter vor dem Transfer seine Immobilie verkauft oder seinen Mietvertrag auflöst, sein Auto abgibt, seine Sachen verschiffen lässt und sich auf das neue Leben im Ausland vorbereitet.

 

Wer ist verantwortlich für diesen Wandel?

Beide Seiten scheinen daran beteiligt zu sein, Unternehmen und Mitarbeiter. Unsere Befragung ergab, dass 91 % der Unternehmen Modelle für unternehmensseitig veranlasste Entsendungen einsetzen, 52 % jedoch auch Programme, die vom Mitarbeiter gefordert werden. Dies unterstützt die Auffassung, dass Mitarbeiter sich grössere Flexibilität für die Bewegung innerhalb des Unternehmens wünschen und Unternehmen dies befürworten. Eines der von uns befragten Unternehmen gab sogar an, für mitarbeiterseitig veranlasste Entsendungen ein «Lifestyle Assignment» mit begrenzten Leistungen eingeführt zu haben.

 

Welche Entwicklungen erwarten Sie noch?

Interessant ist auch, dass eine kleine Anzahl von Unternehmen, die erst seit Kurzem Mitarbeiter ins Ausland schicken, NUR permanente Transfers anbietet. Auf diese Weise stellen die Firmen von Vornherein klar, dass sie die Kosten und Umstände vorübergehender Entsendungen nicht akzeptieren.

 

Wie belegen Sie, dass permanente Transfers beliebter werden?

Eines der wesentlichen Ergebnisse unserer Studie ist, dass 45 % der Unternehmen angaben, mittlerweile häufiger unternehmensseitig veranlasste Transfers einzusetzen als LTAs. 32 % sahen überdies eine Fortsetzung dieser Entwicklung im kommenden Jahr. Begründet wurde diese Entscheidung am häufigsten mit geringeren Kosten, gestiegener Nachfrage und dem Wachstum des Auslandsgeschäfts.

 

Sind dauerhafte Umzüge immer die richtige Lösung? Funktionieren sie?

Wie immer kommt es darauf an, eine Position mit dem richtigen Mitarbeiter zu besetzen - und den Mitarbeiter angemessen zu unterstützen. Mehr als die Hälfte aller befragten Unternehmen gab zu, Fälle erlebt zu haben, in denen unternehmensseitig veranlasste permanente Transfers gescheitert sind und eine Repatriierung erforderlich war.

 

Der Transfer von Mitarbeitern von Standorten mit hohen Lebenshaltungskosten und/oder hoher Lebensqualität zu einem Standort mit geringerem Standard stellt dabei häufig die grösste Herausforderung dar. Die Unternehmen gaben ausserdem an, dass Schwierigkeiten bei der Einreise und der Eingewöhnung der Familie sowie Gehalts- und Mitarbeitererwartungen ebenfalls oft Probleme bereiten.

 

Welche Alternativen gibt es?

Permanente Transfers waren ursprünglich für Umzüge zwischen vergleichbaren Ländern vorgesehen, in denen sich Lebensstil, Lebenshaltungskosten, Gehalt und Lebensqualität stark ähneln und weitere Unterstützung durch das Unternehmen deshalb nicht notwendig ist. Ist dieser Fall nicht gegeben, greifen zunehmend sogenannte «Gastland Plus»-Programme, die Leistungen umfassen, die auf den Bedarf des Mitarbeiters oder die tatsächlichen Gegebenheiten am neuen Standort zugeschnitten sind.

 

Wir haben zudem einen Anstieg an «Lokalisierungsprogrammen» festgestellt, die entsandte Arbeitnehmer dabei unterstützen, aus dem Entsendungsverhältnis in ein dauerhaftes Angestelltenverhältnis vor Ort überzugehen.

 

Insgesamt lässt sich feststellen, dass sich das sich das Global Mobility Konzept entwickelt und neue Alternativen entstehen, wobei immer weniger Bereitschaft besteht, traditionelle LTAs zu finanzieren. Diese Entwicklung wird in diesem Jahr weiter voran schreiten.


Crown World Mobility



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