Wie schätzen leitende Personen in kleinen und mittleren Unternehmen den Wertbeitrag der HR-Expertise bei? Um zu diesem entscheidend wichtigen Aspekt mehr zu erfahren, erhielt Silvio Inderbitzin, CEO des Pharmaherstellers Spirig, die Gelegenheit, HR-Herausforderungen des Unternehmens zu skizzieren. Inderbitzin zeichnete die Entwicklung des Unternehmens nach, das sich rasch internationalisierte und nun insgesamt 450 Arbeitnehmer beschäftigt. Die 1948 als Apotheke gegründete Spirig hat sich innert weniger Jahrzehnte zu einem Produzenten von Dermakosmetika gewandelt. Inderbitzin charakterisiert die Organisation anfangs der 90er-Jahre noch als patriarchalisch. Die Seniorität war ausschlaggebend für die Karriere. Der Forschungs- und Entwicklungsleiter war zugleich Personalchef. Heute ist der Führungsstil kooperativer und die Information an die Mitarbeiter vielfältiger. «Aus der Pionierzeit hatte sich in den einzelnen Ländergesellschaften ein Gärtlidenken und Landesfürstentum herausgebildet», schildert Inderbitzin. Die Umwandlung in 100%-Tochtergesellschaften sei dem Konzerndenken und dem Aufbau der Corporate Identity förderlich gewesen. Mit dem Wachstum und komplexeren Strukturen reife bei der Geschäftsleitung die Erkenntnis, dass HR seinen Beitrag zum Unternehmenserfolg leiste.
World-Café
Nach dem Referat wurden die Teilnehmer aufgefordert, sich gruppenweise zu Tischen anzuordnen. Nach dem Prinzip des World-Café hatte dann jeder Einzelne wieder einen neuen Tisch aufzusuchen, um sich erneut ins Gespräch zu bringen. Unter dem Motto «Vom Mitarbeiter zum Mitunternehmer» wollten beispielsweise die Moderatoren der Tischgespräche erfahren, wie die Geschäftsleitung erwartete Werthaltungen der Belegschaft näher bringen könne. In Kleinunternehmen, wo jeder jeden kenne, gelinge es eher, auf solidarisches Handeln zu appellieren. In grossen Organisationen, scheinbar reich an Ressourcen, sei es besonders schwierig, sich immer im Sinne des Unternehmens zu verhalten. Dies beginne bereits im Kleinen, wenn etwa Mitarbeitende beim Bezug von Büroverbrauchsmaterial sich grosszügig bedienen. Allerdings fördere die wachsende Spreizung der Gehälter das eigennützige Verhalten bei den Beschäftigten.
Neue Bedürfnisse für die Fachausbildung
Ebenfalls wollten die Verantwortlichen der FHNW ausloten, inwiefern die HR-Praktiker neue Bedürfnisse gegenüber der Aus- und Weiterbildung formulieren. Häufig fehle es neben der Fachexpertise, die man sich in den Kursen aneigne, an Projektleitungserfahrung. Mehr Bedarf braucht es offenbar auch bei der Vorbereitung zur Moderation von Konflikten (in Teams und im Betrieb). Das mangelnde Business- und Branchenverständnis von HR-Leuten habe evidente Ursachen. Noch immer sei es üblich, als HR-Fachfrau oder -Fachmann vom einen zum andern Unternehmen zu nomadisieren. Kaum sei es der Fall, dass langjährige Fachspezialisten aus der Linie in die HR-Funktion gelangen, was hinsichtlich des Wissensmanagements innerhalb einer Organisation bereichernd wäre.
Professor Guy Ochsenbein zieht eine positive Bilanz der Veranstaltung. Der ausgeprägt interaktive Charakter der Veranstaltung und damit die Möglichkeit, sich aktiv einzubringen, sei durchwegs positiv bewertet worden: «An diesem Konzept werden wir festhalten». Aus der Neuerung sei aber auch zu lernen, meint er kritisch: «Im Unterschied zur ersten Durchführung werden wir uns in Zukunft thematisch noch mehr eingrenzen und noch deutlicher fokussieren.» Im Herbst 2013 wird der nächste «HRMeet Olten» durchgeführt.
