André Blattmann, Chef der Armee, zu Gast beim ZGP-Abendforum
Montag, 10. Oktober 2011 | 08:39

Bewerber im Tenue Grün

Am 4. Oktober 2011 im «Au premier» beim Hauptbahnhof Zürich war André Blattmann, Korpskommandant und Chef der Armee, zu Gast beim Abendforum der ZGP. Die Armee tut viel, um den zivilen Nutzen ihrer Kaderausbildung bei den Scharnierstellen der Unternehmen, dem HR, näher zu bringen.

Korpskommandant André Blattmann, CdA: "Die Reserve im Bereich Sicherheit heisst Schweizer Armee."
Korpskommandant André Blattmann, CdA: "Die Reserve im Bereich Sicherheit heisst Schweizer Armee."

 

André Blattmann ist nicht nur Chef, sondern auch oberster Verkäufer der Armee. Blattmann sprach vom Nutzen praktischer Führungsausbildung, von neuen Bedrohungslagen, sozialer Unrast und dem höheren Stellenwert, welche - gemäss Umfragen - die Bevölkerung dem Thema Sicherheit zubilligt. Die Bevölkerungsexplosion in vielen afrikanischen Ländern oder der arabische Frühling legen den Schluss nahe, dass kein Ende der Geschichte in Sicht sei, sondern die Welt in Bewegung bleibe. Gefahren für die Sicherheit der Zivilgesellschaft entstehen auf ganz verschiedenen Ebenen und Motiven, mit nicht vorhersehbaren Folgen. Kampf um knappe Ressourcen wie beispielsweise Wasser könnten mit militärischen Mitteln ausgefochten werden. Auch die Sicherung der Nachschubwege für seltene Rohstoffe führe dazu, dass Länder wie China aufrüsten. Auch bei grossen Naturkatastrophen im Landesinnern wie etwa bei einem Erdbeben in Ballungsräumen müsste die Armee zum Einsatz kommen. «Die Reserve im Bereich Sicherheit heisst Schweizer Armee», so Blattmann.

Für den Chef der Armee ist es nur von Vorteil, dass das Schweizer Militär zivile Kenntnisse und Kompetenzen nutzen könne, um schnell handlungsfähig zu werden. Auch müssten keine zu grossen Bestände ohne Auftrag geführt werden; eine Schwierigkeit, denen sich zahlreiche europäische Armeen mit dem Übergang der Wehrpflicht zum freiwilligen Dienst gegenüberstünden.

 

Nützliches für die berufliche Praxis

Dienst in der Armee ist allerdings nach dem Ende des kalten Kriegs auch in der Schweiz keine Selbstverständlichkeit mehr, noch weniger der Verbleib im grünen Gewand für das Erreichen höherer militärischer Grade und Funktionen. Hier setzte Blattmann und weitere eingeladenen Offiziere ein: Persönliche Arbeitstechnik, Konfliktmanagement, Führen einer Gruppe und Führungspsychologie seien Bestandteil einer modernen militärischen Führungsausbildung. Einiges sei auch im zivilen Job sehr wohl brauchbar: Eine situationsgerechte Problemanalyse, das Erreichen realistischer Ziele, das Aussprechen klarer Aufträge. Mit der höheren Kaderausbildung an der Zentralschule in Luzern verfügt die Armee auch über ein Ausbildungszentrum für Management, Information und Kommunikation (Kommando «Mika»).

Das Kursangebot richtet sich explizit an Organisationen und Unternehmen ausserhalb des militärischen Bereichs. An so genannten Arbeitgeber-Tagen wird Vertretern aus der Wirtschaft den Wert militärischer Kaderausbildung nähergebracht. Militärische Führungsschulen sind zudem beflissen, Arbeitszeugnisse ihrer Absolventen so abzufassen, dass die Berufstauglichkeit des Erlernten betont wird.

In der Gesprächsrunde nach dem Vortrag wurde moniert, dass bei der ersten Rekrutierungs-Triage Anwärter mit militärischer Führungsausbildung kaum beachtet würden. Einerseits kennen internationale HR-Leute die spezifischen Eigenschaften der Schweiz und ihrer Milizarmee nicht. Andererseits sei es unüblich geworden, die militärische Laufbahn im Dossier gross hervorzuheben.

Der Chef der Armee kam nicht alleine nach Zürich. Die vom Armee-Pressechef im Anschluss an das Referat befragten jungen Offiziere (in Zivilkleidung) bekleiden im Berufsleben Positionen des mittleren Managements. Deren Arbeitgeber akzeptieren die regelmässige Abwesenheit für militärische Dienste.


fma



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