Swissmem wiederholte im Oktober 2011 die Umfrage zu den Auswirkungen der Frankenstärke, die sie bereits Anfang Jahr unter den Mitgliedfirmen durchgeführt hatte. Die Ergebnisse bestätigen, dass sich die Situation in der Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM-Industrie) in den vergangenen Monaten weiter verschärft hat. 65% der Unternehmen (Februar 2011: 54%) gaben an, von der Frankenstärke «stark negativ» betroffen zu sein. Neben Auftrags- und Umsatzverlusten haben sich auch die Margenverluste trotz zahlreicher betrieblicher Gegenmassnahmen akzentuiert. Über die Hälfte der Firmen verzeichnet auf Stufe EBIT einen Margenrückgang von mehr als sechs Prozentpunkten. Mittlerweile schreiben deshalb 36% der MEM-Betriebe (Februar 2011: 28%) operativ Verluste.
3. Quartal 2011: Negative Tendenz verstärkt sich
Auch die allgemeinen Zahlen zum Geschäftsgang der MEM-Branche zeigen eine negative Tendenz. Zwar ist die Bilanz über die gesamten ersten neun Monate betrachtet noch positiv. Die Umsätze stiegen um 3,9% und die Auftragseingänge um 6,4%. Das ist die Folge der guten Bestellungseingänge am Ende des letzten Jahres und im ersten Quartal 2011. Ab dem zweiten Quartal 2011 drehte die Entwicklung ins Negative. Bei den Auftragseingängen wies das zweite Quartal im Vorjahresvergleich ein Minus von 2,6% auf. Der Rückgang der Bestellungseingänge erhöhte sich im dritten Quartal auf -4,9%. Zudem hielt der Preisdruck infolge der Frankenstärke unvermindert an. In den ersten neun Monaten reduzierten sich die Exportpreise der MEM-Industrie um 4,8%. Es erstaunt daher nicht, dass die Geschäftserwartungen von den Unternehmen immer pessimistischer eingeschätzt werden.
Aktuell rechnen über 35% der befragten Unternehmen in den nächsten zwülf Monaten mit einer negativen Entwicklung der Aufträge aus dem Ausland.
Franken weiterhin zu stark
Die aktuellen Branchenzahlen, die Ergebnisse der Swissmem-Umfrage, die Einschätzungen der Unternehmen und nicht zuletzt auch die sehr verhaltenden Konjunkturprognosen deuten auf ein schwieriges erstes Halbjahr 2012 hin. Die Festlegung der Wechselkursuntergrenze von CHF 1.20/€ durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) Anfang September verlieh den Unternehmen nach den turbulenten Sommermonaten zwar etwas Ruhe und vor allem Planungssicherheit. Jedoch sagen 72% der befragten Unternehmen, dass ein Wechselkurs von CHF 1.20/€ nicht ausreicht, um die Lage nachhaltig zu verbessern. Wenn der Wechselkurs auf dem gegenwärtigen Niveau verharrt, wird es in der MEM-Industrie im kommenden Halbjahr vermehrt zu Stellenabbau und Produktionsverlagerungen ins Ausland kommen.
Um die negativen Auswirkungen der Frankenstärke zu dämpfen, erwartet der Dachverband Swissmem, dass: a) dass die SNB weitere Schritte einleitet, die zur Schwächung des Schweizer Frankens auf den internationalen Devisenmärkten beitragen.
b) der Bundesrat geplante Freihandelsabkommen mit aussereuropäischen Staaten wie China und Indien vorantreibt und bald abschliessen wird
c) ein kontinuierliches Basisbudget für die Kommission für Technologie und Innovation (KTI) zur Förderung der Innovationstätigkeit
d) politische Initiativen, die Einschränkungen der Personenfreizügigkeit mit der EU zur Folge haben werden, abzulehnen sind
e) die Last an Abgaben, Steuern und Gebühren weiter reduziert wird
f) ein konstruktive Haltung der Sozialpartner im Hinblick auf den Erhalt der Arbeitsplätze in der Branche.
